Beispiele aus der täglichen Akupunkturpraxis
Praxisbeispiel I:
Paint Horse Wallach, Turnierpferd in der Vize-Weltmeister Team Penning Equipe
Der Wallach wird mir mit unregelmässigem Gang hinten vorgestellt. Rechts tritt er nicht nur kürzer sondern rotiert deutlicher nach innen als auf der anderen Seite. Dem Pferd bereitet es Mühe, das rechte Hinterbein zum Hufe auskratzen länger anzuheben, Abwehr und Kontraktionen von Muskeln und Sehnen sind die Folge, ein längeres Anheben des Beins ist nicht möglich. Das Pferd wird stark trainiert. Konventionelle Schmerzmittel zeigen nicht den gewünschten Erfolg.
Bei der Untersuchung zeigt sich eine durchgängige Druckdolenz über den gesamten Blasenmeridian links (vom Widerrist bis zur Kruppe), rechts sind zwei Shu-Punkte betroffen. Weitere Auffälligkeiten zeigen sich nach chinesischer Diagnostik.
Der Wallach zeigt nach einer Behandlung komplette Schmerzfreiheit im gesamten Rücken. Das Rückenproblem scheint vor allem durch einen im Schulterbereich deutlich zu engen Sattel verursacht zu worden sein, der im letzten halben Jahr gewechselt wurde. Der gesamte Energiefluss bis zur Hinterhand ist blockiert. Auffallend ist auch eine gewisse Schmerzhaftigkeit in der linken Schulter. Als ich den Reiter darauf anspreche, teilt er mir mit, vor kurzem mit dem Pferd während eines Turniers ausgerutscht und gestürzt zu sein.
Nach einer Zweitbehandlung läuft der Wallach gesamthaft elastischer und auch gleichmässiger mit der Hinterhand. Nach der dritten Akupunktursitzung läuft der Wallach gerade. Das Beispiel hier zeigt, dass Akupunktur zwar Ursachen aus medizinischer Sicht beheben kann, aber für die Zukunft und ein Vermeiden neu auftretender Probleme auch die Mitarbeit der Besitzer - wie in diesem Fall ein Sattelwechsel sowie eine längere Aufwärmphase vor der Arbeit - stets gefragt ist.
Praxisbeispiel II:
Quarter Horse Wallach, Turnierpferd
Das Pferd kam mit sieben Monaten zum Besitzer und genoss in seiner Jugend eine artgerechte Aufzucht. Das Pferd wurde mit fünf Jahren angeritten. Unter dem Sattel wie auch auf der Weide zeigte er bereits vor dem Beritt gelegentlichen Passgang anstelle eines Trabes. Bei der Vorstellung war es dem Pferd unmöglich, überhaupt einen diagonalen normalen Trab zu zeigen. Das Pferd wurde veterinärmedizinisch intensiv untersucht, Osteopathen und andere Therapeuten hinzugezogen. Eine Ursache konnte nicht gefunden werden, ein Unfall ist nicht bekannt, kann aber natürlich nicht ausgeschlossen werden. Ansonsten ist das Pferd in guter Kondition und Bemuskelung, aber nicht einfach im Umgang und beim Reiten.
Bei einer ersten Akupunkturbehandlung wurde der Energiefluss von vorne nach hinten geöffnet, die Funktionskreise Milz/Magen gestärkt, der Leber- und Gallenfunktionskreis sediert. Nach vier Tagen teilte mir die Besitzer mit, dass das Pferd erstmals wieder etwas aufgerichteter mit losgelassenem Rücken - etwas müder als sonst - locker unter dem Sattel ausgeritten wurde. Erstmals zeigte das Pferd auch einen klaren Trab, verfiel aber noch gelegentlich in den Passgang.
Eine Zweitbehandlung ist vier Tage später erfolgt. Zwei Wochen später teilt mir die Besitzerin mit, "ein neues Pferd" zu haben. Gang und Bewegung des Pferdes sind nicht nur flüssig, sondern ein positives losgelassenes Aufdehnen des Rückens in allen Gangarten spürbar. Der ehemals vorher eher widersetzliche Wallach ist jetzt cool und gut regulierbar und auch im Umgang viel einfacher. Ich schreibe dies nebst der Behebung einer Stagnation im Leber-Meridian auch der neugewonnen Schmerzfreiheit zu.
Praxisbeispiel III:
Hannoveraner, Wallach, Freizeitpferd
Das Pferd wird mir mit dem Problem der "Energielosigkeit" vorgestellt. Der Wallach ist kaum vorwärts zu bewegen, auch auf gemeinsamen Ausritten mit anderen Pferden, scheint es ihn nicht zu interessieren, dass die anderen Pferde ihm davon laufen. Ich lasse mir das Pferd auch unter dem Sattel vorstellen, habe ich doch im Verdacht, dass das liebe Verlasspferd vielleicht nur ein wenig faul ist.
Der Besitzer hat recht, auch ein wenig Gerteneinsatz interessiert das Pferd, dass ständig zu schlafen scheint, überhaupt nicht. Das Schlafverhalten im Stall ist normal, er legt sich zum Schlafen regelmässig hin.
Das Pferd wurde mehrfach in der Klinik untersucht, das Futter bestens abgestimmt, diverse Aufbaupräparate miteinbezogen.
Nach einer ersten Behandlung läuft das Pferd deutlich flotter von alleine vorwärts, ein Treiben ist kaum mehr nötig. Ich weise den Besitzer darauf hin, dass eine bereits so lange bestehende "chronische Energielosigkeit" nicht in einem Mal langfristig behoben werden kann. Nach einer Zweitbehandlung wagt der Wallach bereits erste Bocksprünge im Galopp - ups....der Pferdebesitzer ist leider runtergefallen, aber ohne Schaden.
Weitere Sitzungen sind ins Auge gefasst, je nach "Haltbarkeit des Energielevels des Pferdes". Im weiteren gebe ich dem Pferdebesitzer Tips in Bezug auf Beritt und Motivation des Pferdes.
Praxisbeispiel VI:
Quarter Horse Wallach, Turnierpferd in der Weltmeister Team Penning Equipe
Das Pferd wird mir mit Bewegungsstörungen in der Hinterhand rechts sowie mit Störungen in der Vorhandbewegung vorgestellt. Leichte arthrotische Veränderungen in beiden Karpalgelenken wurden radiologisch festgestellt, da das Pferd die Angewohnheit hatte, bei der Fütterung jeweils mit den Vorderbeinen gegen die Boxentüre zu schlagen. Veterinärmedizinische Injektionen (ICR) sind erfolgt. Der Wallach ist arbeitswillig und motiviert, die Schmerzen aber nach wie vor da.
Nach zwei Akupunkturbehandlungen, die sich vor allem auf die Stärkung des Nierenfunktionskreises, dem Ausgleich von vorne und hinten der Anregung der Produktion von Gelenkflüssigkeit konzentriert haben, läuft der Wallauch noch nach zwei Wochen intensiven Trainings durchwegs flüssig und elastisch. Eine Weiterbehandlung ist geplant, falls sich der Zustand durch die starke Turnierbelastung wieder ändern sollte. Das Pferd wird drei Wochen später bei einem nationalen Championat eingesetzt. Es läuft auch nach dieser intensiven Belastung bis heute komplett normal.
Praxisbeispiel VII:
Appaloosa Stute, Freizeit- und ehemaliges Turnierpferd
Das Pferd wird mir wegen Head Shaking vorgestellt. Das Head Shaking hat vor zwei Jahren plötzlich begonnen, bei starker Sonneinstrahlung verstärken sich die Symptome massiv. Teilweise stürzt die Stute beim Reiten fast, wenn das Head Shaking sehr intensiv ist. Bei der Untersuchung stelle ich zusätzlich am rechten Vorderbein ein Sehnenproblem fest. Die Besitzerin informiert mich, dass die Stute deswegen bereits zweimal intensiv mit Medikamenten behandelt wurde, die Sehne aber immer wieder geschwollen ist. Das Pferd wird seit einem Jahr nicht mehr im Turniersport eingesetzt, aber täglich bewegt und gut gehalten. Die Stute wird in einer ersten Akupunkturbehandlung "harmonisiert" und generell gestärkt, in zwei kurz darauf folgenden Folgebehandlungen gezielt das Sehnenproblem und das Head Shaking angegangen. Die Besitzerin berichtet mir nach zweimaligen Reiten, dass keinerlei Head Shaking Symptome mehr da sind. Ansonsten ist die Stute viel peppiger und leistungsbereiter im Umgang geworden, ebenso wendet sie sich viel mehr dem Besitzer zu, war sie bis anhing kein "Schmusepferd". Ich werde die Stute im Auge behalten, je nach Symptomatik ist eventuell noch eine weitere Akupunkturbehandlung geplant.
Behandlung von Sarkoiden mittels Akupunktur
Eine detaillierte Behandlungsaufzeichung im Fall des Pferdes Olymp folgt in den nächsten Wochen.